
„denn Liebe darf niemals ein Verbrechen sein“.
Die 17-jährige Schülerin Alix ist Teil eines Service Learning Projektes des UWC Robert Bosch Colleges, das mit der Freiburger Stolpersteininitiative kooperiert. Hier berichtet sie über Ihre Eindrücke zur Verlegung der STOLPERSTEINE für EMILIE KIECHLE, WLADISLAW KOPERA und deren Kind am 14. Oktober des vergangenen Jahres.
Am Vormittag des 14. Oktobers 2025 fand die Verlegung der Steine von EMILIE KIECHLE, WLADISLAW KOPERA und ihrem KIND in der St. Nikolauser Straße 28, in Freiburg-Opfingen, statt. Nachdem im Februar 2023 mit der Verlegung des Stolpersteines für WLADIMIR KASIMIR MIELNIK zum ersten Mal in Freiburg an ein Opfer der Zwangsarbeit erinnert wurde, folgen nun Stolpersteine für die Familie Kiechle / Kopera, um ihrem Schicksal zu gedenken
Emilie und Wladislaw lernten einander im Januar 1941 kennen, als der polnische junge Mann zur Zwangsarbeit im landwirtschaftlichen Betrieb der Familie Kiechle gezwungen wurde. Die beiden verliebten sich ineinander, trotz des sogenannten „Polnerlasses“, welcher ihre Beziehung verbot und mit strengen Strafen drohte. Als Emilie und Wladislaw entdeckt wurden, versuchten sie zu flüchten, wurden jedoch am 08. September 1942 von der Gestapo verhaftet. Nur zwei Tage nach der Festnahme erlitt Emilie eine Fehlgeburt. Im Dezember wurden die beiden in unterschiedliche Konzentrationslager deportiert: Emilie wurde mit dem Haftgrund „Verkehr mit Polen“ in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück deportiert, aus dem sie im April 1943 entlassen wurde. Wladislaw hingegen wurde in das KZ Dachau, von dort aus 1943 in das KZ Sachsenhausen und vermutlich auch in das Sonderlager Hinzert deportiert. Irgendwann gelang ihm offenbar die Flucht. Emilie Kiechle und Wladislaw Kopera überlebten trotz sehr schwieriger Umstände, hatten jedoch nie wieder miteinander Kontakt. Emilie nahm sich im November 1988 das Leben.
Nach jahrzehntelanger Recherche konnten die Schicksale Wladislaws und Emilies gefunden und veröffentlicht werden. Bei der Verlegung sprachen Emilies Enkelin und Urenkelin, Anita und Jule Gremmelspacher. Sie bedankten sich für die Unterstützung der Stolpersteininitiative durch Marlis Meckel, des neuen Freiburger Dokumentationszentrums Nationalsozialismus und bei den Mitarbeiter:innen des Arolsen Archives bei der Suche nach Spuren des Schicksals von Emilie und Wladislaw.
Beide Überlebenden sprachen nie mit der Familie über das erlittene Leid und die Nachkommen erfuhren nur durch Zufall von der Spurensuche der jeweils anderen Familie.
Anita and Jule erzählten am Morgen der Stolpersteinverlegung in bewegenden Worten die Geschichte ihrer Vorfahr:innen und betonten, wie wichtig es gerade in der heutigen Zeit sei, das Schweigen zu brechen, „denn Liebe darf niemals ein Verbrechen sein“.
Für mich persönlich war die Stolpersteinverlegung eine sehr eindrucksvolle Erfahrung. Es war das erste Mal, dass ich an einer Verlegung teilnehmen durfte und trotz einem Interesse und Allgemeinwissen in Geschichte, war ich überrascht, wie emotional es mich gemacht hat eine persönliche Geschichte zu hören von Nachfahren, die eine starke Bindung zu der betroffenen Person hatten. Darüber hinaus hört man aktuell in den Medien meist nur von zunehmendem Hass und Gewalt. Deshalb finde ich es umso wichtiger, sich an die Schicksale unserer Vorfahren und Vorfahrinnen zu erinnern und zu verhindern, dass unsere Geschichte in Vergessenheit gerät. Sie darf sich nämlich nicht wiederholen und es liegt in unseren Händen, das zu verhindern.
Alexandra Herzog-Diomidis (RBC 2025-2027)
Mehr Informationen über das Schicksal von WLADISLAW KOPERA und EMILIE KIECHLE gibt es in der Biographie, die Ihre Familie nach langer Suche zusammengestellt und uns überlassen hat. Leider gibt es bisher trotz intensiver Nachforschung der Familie noch nicht viele Informationen zum namenlosen KIND von EMILIE KIECHLE und WLADISLAW KOPERA. Jedoch was es der Familie ein großes Anliegen, ihm oder ihr auch mit einem Stolperstein zu gedenken.



