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Emilie Kiechle

Opfer der NS-Verfolgung wegen „Verkehrs mit einem Polen“ – inhaftiert und deportiert nach Ravensbrück

EMILIE KIECHLE wurde am 7. März 1919 in Freiburg als achtes Kind einer Landwirtsfamilie geboren. Sie wuchs im Ortsteil St. Nikolaus bei Opfingen auf, wo ihre Eltern Karl Friedrich Kiechle und Anna Maria Kiechle, geb. Heinzmann, eine kleine Landwirtschaft betrieben.

Anfang 1941 lernte sie WLADISLAW KOPERA kennen, einen polnischen Zwangsarbeiter, der als landwirtschaftlicher Helfer bei ihrer Familie arbeitete. Trotz des sogenannten „Polenerlasses“ vom März 1940, der intime Beziehungen zwischen polnischen Zivilarbeitern und deutschen Frauen unter Androhung schwerster Strafen untersagte, gingen die beiden eine Liebesbeziehung ein. Emilie wurde schwanger.

Nach ihrer gemeinsamen Flucht wurden sie am 8. September 1942 von der Gestapo verhaftet. Emilie kam am 17. September 1942 in sogenannte „Schutzhaft“ im Freiburger Gefängnis. Bereits wenige Tage nach ihrer Festnahme erlitt sie eine Fehlgeburt – ob das Kind durch Stress, Gewalt oder eine gewaltsame Abtreibung zur Welt kam, konnte nie geklärt werden.

Im Dezember 1942 wurde sie ins Frauenkonzentrationslager Ravensbrück deportiert. In den offiziellen Unterlagen ist als Haftgrund „politisch“ vermerkt, mit dem Zusatz: „Verkehr mit Polen“. Ihre Haftnummer lautete 15756.

Am 14. April 1943 wurde Emilie aus Ravensbrück entlassen und kehrte nach Opfingen zurück. Später heiratete sie Pius Andris, gründete eine Familie mit vier Kindern und lebte auf einem Hof im Schwarzwald. Die psychischen Folgen ihrer Verhaftung und der Haft in Ravensbrück prägten ihr weiteres Leben. Sie litt unter Depressionen, hatte mehrfach Aufenthalte in psychiatrischen Einrichtungen und sprach nie über die Erlebnisse.

In ihrem Wiedergutmachungsantrag von 1951 schrieb sie:
„Wir haben das Schweigen gelernt. Und ich fürchte mich immer, denn ich weiß ja nirgends Schutz und Hilfe.“

Emilie Andris nahm sich am 4. November 1988 im Alter von 69 Jahren das Leben. Erst durch jahrzehntelange Recherchen ihrer Nachkommen wurde ihr Schicksal rekonstruiert und öffentlich gemacht.

Die Biographie von Emilie Kiechle wurde uns durch Ihre Enkelin Anita Gremmelspacherzur Verfügung gestellt.